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Unternehmen müssen eine neue Führungskultur ermöglichen

Caro Windlin ist studierte Psychologin mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in der Personalarbeit und einem Fokus auf New Work. Im Interview erklärt sie, wie Unternehmen die neue Art des Arbeitens sinnvoll umsetzen können und auch sollten.

Warum tun sich Unternehmen mit dem Thema New Work schwer?

Caro Windlin: Das Thema New Work wird in Unternehmen jeweils unterschiedlich verstanden und häufig reduziert auf bestimmte Methoden wie Scrum. Dabei sollte sich jedes Unternehmen fragen, was New Work in seinem Kontext heißt. New Work geht vor allem von einem positiven Menschenbild aus, nach dem jeder sein volles Potenzial ausschöpfen möchte und dabei unterstützt wird. Konkret bedeutet das, dass aus Fehlern Lernmöglichkeiten werden, Informationstransparenz ein Recht statt ein Privileg ist und die individuelle Entscheidungsfreiheit wächst: Nicht der Chef, sondern jeder Einzelne entscheidet beispielsweise, wo und wie er seine Leistung am besten erbringen kann. Das können Vorgesetze als Kontrollverlust wahrnehmen. Dabei zeigen Studien, dass starre Vorgaben und Präsenzpflicht den Mitarbeiter in seiner Leistungsfähigkeit behindern und ein Abgeben der Kontrolle das Potenzial jedes Einzelnen fördern kann. 

Warum müssen Unternehmen aktiv werden und ihren Mitarbeitern neue Formen
des Arbeitens und der Zusammenarbeit anbieten?

Caro Windlin: Durch steigende Komplexität funktionieren bisher bewährte Steuer- und Koordinationsmechanismen von Unternehmen nicht mehr. Immer mehr Mitarbeiter – nicht nur junge Talente – erwarten eine andere Form von Beteiligung und Verantwortung. Unternehmen müssen eine neue Führungskultur ermöglichen, die Mitarbeiter befähigt und nicht kontrolliert, Mitarbeiter entwickelt und in Entscheidungsprozesse einbindet. Sie müssen flexible Strukturen und Prozesse etablieren, agile Methoden einsetzen und auch neue Bürokonzepte ausprobieren, um das volle Potenzial der Mitarbeiter zu nutzen und diese auch langfristig für das Unternehmen zu begeistern.

Welche Kriterien müssen neue Bürokonzepte erfüllen und wie sinnvoll ist Homeoffice?

Caro Windlin: Teams müssen sich austauschen können, ihre Ideen nach außen tragen und ihre Arbeit sichtbar machen können. Sie brauchen die Möglichkeit, ihren Bereich zu modifizieren und schnell an die sich ändernden Aufgaben anzupassen. Dabei muss auch der Wechsel von Einzelarbeit zu Gruppenarbeit problemlos möglich sein. Noch immer stehen in den meisten Unternehmen Teams nur traditionelle Besprechungsräume zur Verfügung, oft mit rechteckigem Tisch und Bildschirm an dessen Kopfende. Solche Räume animieren nicht zu Bewegung, die für Arbeitsformen wie Agile und Co-Creation wichtig sind. Sie sind eher für formale Besprechungen zur reinen Informationsweitergabe geeignet. Homeoffice ist für bestimmte Aufgaben sinnvoll, die Ruhe erfordern, sofern ein Unternehmen über keine Rückzugsräume verfügt. Im Homeoffice vermeidet der Mitarbeiter zudem Pendeln und kann Handwerker oder einen Arztbesuch effizient in den Tag integrieren. Jedoch hat Homeoffice auch seine Grenzen: Vereinsamung, ungewollte Störungen oder schlechte technische Ausstattung.

Welche Vorteile bieten Coworking Spaces?

Caro Windlin: Nutzt ein Mitarbeiter nah gelegene Coworking Spaces, spart er sich das Pendeln und findet eine inspirierende Arbeitsumgebung vor, in der er alles vorfindet, um produktiv und innovativ zu arbeiten – allein oder im Team. Dabei trifft er Mitarbeiter anderer Unternehmen oder Starts-Ups und Freelancer und erlebt durch die Interaktion neue Methoden und Lösungsansätze. Seine Motivation und Produktivität können dadurch steigen, das macht den Mitarbeiter zufriedener und der Arbeitgeber hat natürlich auch was davon. Networking, eine gesundheitsfördernde Arbeitsumgebung und kein Pendelstress können die Work-Life Balance fördern. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern die freie Arbeitsortwahl gibt, erscheint zudem attraktiver für seine Mitarbeiter. Auch tragen Firmen, die den Pendelverkehr und somit Co2-Ausstoß zu reduzieren helfen, einiges zum Umweltschutz bei.

Caro Windlin ist Co-Founderin von 1000 Satellites, einem Anbieter für dezentrale Coworking Spaces in der Metropolregion Rhein-Neckar. Sie und ihre Kollegen legen darauf wert, dass das Konzept New Work sinnvoll in ihren Spaces gelebt wird, und Coworker und deren Unternehmen inspiriert.